Mythen und Wahrheiten zum Dualen Studium

Mythen Duales StudiumDas Duale Studium boomt – so liest man es derzeit überall. Klar, dass bei den Unmengen an Informationen, die man inzwischen zum Dualen Studium finden kann, auch einige Unwahrheiten eingeschlichen haben. Und so ranken sich schon jetzt viele Mythen um das Duale Studium. Einige halten sich hartnäckig, andere verschwinden so schnell wieder, wie sie gekommen sind. Die größten Mythen und Wahrheiten rund um das Duale Studium haben wir genauer unter die Lupe genommen, um zu prüfen, was wirklich dran ist.

Duale Studenten sind reich!

Studieren und gleichzeitig ein festes Monatsgehalt bekommen, mit dem man vollkommen unabhängig von der Unterstützung der Eltern ist – damit werben Hochschulen wie Unternehmen für das Duale Studium. Was verlockend klingt, erweist sich im Verlauf des Studiums oft als Finte. In einer Umfrage von Wegweiser-duales-Studium.de geben 48 % der Befragten an, dass sie mit ihrem Gehalt nicht auskommen.

Aber woran liegt das, wenn die Unternehmen doch mit dem hohen Gehalt werben? Es gibt keinen festgeschriebenen Mindestlohn für Duale Studenten. Daher kann das Unternehmen selbst entscheiden, ob der Auszubildende beispielsweise 500 Euro im Monat verdient oder 1000 Euro. Hinzu kommt, dass vor allem kleine Betriebe oft keine hohen Löhne zahlen können.

Ein weiterer Faktor sind die anfallenden Studiengebühren und die zusätzlichen Wohnkosten, wenn die Hochschule in einem anderen Bundesland liegt als das Unternehmen. Einige Unternehmen übernehmen alle anfallenden Kosten während des Dualen Studiums, andere nur einen Bruchteil. Hier müssen die Studenten dann selbst zahlen. Und so ist es am Ende leider nur ein Mythos, dass das Duale Studium besonders lukrativ ist.

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Duale Studenten haben bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt!

Das Kombinationsmodell aus Theorie und Praxis verschafft vielen Absolventen Dualer Studiengänge einen klaren Vorsprung auf dem Arbeitsmarkt. Während Vollzeitstudenten maximal ein bis ein paar Praktika im Studium einschieben, sind Duale Studenten durch regelmäßige Praxisphasen oder die integrierte Ausbildung ständig im praktischen Einsatz. Sie können ihr theoretisch erlerntes Wissen unmittelbar in der Praxis anwenden und auch umgekehrt von der praktischen Erfahrung in der Theoriephase profitieren.

Hinzu kommt, dass Unternehmen eine Menge in einen Dualen Studenten investieren. Betriebe sichern sich so akademisch ausgebildete Fachkräfte. Diese möchten sie mit Abschluss von Studium und Ausbildung nicht verlieren, so dass die Übernahmechancen nach dem Dualen Studium sehr hoch sind. Und dort, wo ein Dualer Student von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen wird, kann ein Vollzeitstudent leider keinen Job ergattern. Diese Wahrheit entspricht also den Tatsachen!

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Das Duale Studium erleichtert den Zugang für Frauen zu MINT-Fächern…

… und für Studieninteressenten aus Nicht-Akademikerfamilien den Zugang zu Hochschulen!

Eine Umfrage der Universität Duisburg-Essen hat gezeigt, dass die MINT-Fächer fest in männlicher Hand sind. Aber die Studiengänge, die dual angeboten werden, haben eine höhere Frauenquote, als die Vollzeitstudiengänge. Zudem sind die Zahlen insgesamt leicht gestiegen. Allerdings sollte trotzdem darauf hingewiesen werden, dass Frauen in MINT-Fächern immer noch deutlich in der Unterzahl sind. Damit bleibt es am Ende leider doch ein Mythos, dass der Frauenanteil in Dualen MINT-Studienfächern verhältnismäßig hoch ist.

In derselben Umfrage wurde auch nach den Anteilen von Studenten aus Nicht-Akademikerfamilien gefragt: Tatsächlich kommt die Mehrheit der Dual Studierenden aus Nicht-Akademikerfamilien. Allerdings sind dreiviertel davon aus sogenannten Besserverdiener-Haushalten, für die sich laut IHK-Statement gar nicht die Frage nach einer Ausbildung stellt, sondern nach dem Abi die Entscheidung des Werdegangs zwischen Hochschulstudium und Dualem Studium getroffen wurde. Bildungsschwächere Schichten werden demnach auch mit dem Dualen Studium nicht stärker als mit einem Hochschulstudium angesprochen. Der Mythos wird auch hier leider nicht zur Tatsache.

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Das Verhältnis von Theorie und Praxis hat ein ideales Maß!

Ein stetiger Wechsel zwischen Theorie und Praxis lässt viele Studieninteressenten annehmen, dass es dadurch keinen Schwerpunkt auf Theorie oder Praxis gibt, sondern ein ausgeglichenes Verhältnis herrscht. Wäre ja auch eine logische Annahme.

Allerdings sagen 40 % der Befragten einer Studie, dass der Schwerpunkt ganz klar auf der Theorie liegt. 42 % sagen, dass der Schwerpunkt in ihrem Dualen Studium gleichermaßen auf Theorie und Praxis liegt. Es scheint also doch gar nicht ein so ausgeglichenes Verhältnis zwischen Theorie und Praxis zu geben, sondern von Studiengang zu Studiengang zu variieren. Müsste man eine Aussage treffen, lässt sich sagen, dass der Schwerpunkt im Dualen Studium selten auf der Praxis liegt, oft aber auf der Theorie. Im Großen und Ganzen versuchen Hochschulen und Unternehmen aber ein ausgeglichenes Verhältnis zu schaffen.

Dies ist also nicht der größte Mythos, der sich um das Duale Studium rankt, aber es ist einer.

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Ein Dualer Student hat keine Semesterferien

Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wäre diese Wahrheit bloß ein Mythos. Die Wahrheit ist manchmal schmerzhaft – und diese ganz besonders: Duale Studenten haben keine Semesterferien. Während des Dualen Studiums ist man als Auszubildender oder Langzeitpraktikant – je nach Studienform – bei einem Unternehmen angestellt. Dementsprechend stehen dir „nur“ die vertraglich geregelten Urlaubstage zu. Der gesetzliche Mindesturlaub liegt übrigens bei 24 Werktagen pro Jahr. Durch eine Betriebsvereinbarung oder einen Tarifvertrag kann die Anzahl der Urlaubstage auch höher sein.

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Das Duale Studium ist weiter auf dem Vormarsch

Ein ganz klares Ja! Allein von 2006 bis 2012 hat sich die Anzahl der Dualen Studienangebote verdoppelt. Die letzte Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung kann für das Jahr 2012 64.000 Duale Studienplätze verzeichnen. Das sind noch einmal 7,5 % mehr als im Jahr 2011. Insgesamt sind dort derzeit 1.384 Duale Studiengänge registriert, zu denen stetig neue hinzukommen. Besonders beliebt, und daher besonders wachstumsstark, sind ingenieurwissenschaftliche Fachrichtungen. Aber auch Bereiche wie Sozialwesen entwickeln sich weiter und können von 2011 auf 2012 einen Zuwachs von 24 % auf nun insgesamt 31 Duale Studiengänge mit 1.900 Studienplätzen vorweisen.

Auch die Anzahl der Unternehmen, die ein Duales Studium anbieten, steigt. Während vor ein paar Jahren hauptsächlich große Unternehmen und Konzerne Duale Studenten im Betrieb ausgebildet haben, ist diese Studienform nun auch in kleinen und mittelständischen Betrieben eine beliebte Ausbildungsform.

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Über die Autorin

Sarah Burmann

Sarah Burmann ist Redakteurin bei der targroup Media GmbH & Co. KG und schreibt u.a. für das Portal Wegweiser-duales-Studium.de. Sie studierte Medienwissenschaften in Köln und und absolvierte ein Volontariat bei der erdbeerlounge.

 

Bildnachweis „Hörsaal“: ©Klaus Eppele – Fotolia

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(13 Beiträge)

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Kommentare

  1. Habe nach meiner Ausbildung zum Automobilkaufmann ein duales Studium begeonnen. So studiere ich jetzt BWL. Ich muss sagen durch die Ausbildung hatte ich einige Vorteile gegenüber den Kollegen, die nur Abitur hatten.

    Ich kann es jedem nur empfehlen, die Mischung aus Theorie und Praxis macht den entscheidenden Unterschied!

    Gruß
    Patrick

    2. Mai 2014 um 16:00
  2. Teresa

    Es ist kein Mythos, dass Frauen eher in MINT Fächer kommen. Tatsächlich bewerben sich einfach meistens keine qualifizierten jungen Damen auf diese Fächer. Als ich angefangen habe, Informatik zu studieren, waren alle ganz glücklich, dass sie mal eine Frau haben. Ist halt Schuld der Frauen und nicht der Betriebe.

    4. Oktober 2015 um 21:26

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