AZUBIYO Blog: Online-Magazin für Bewerbung & BerufswahlBewerbungstippsSo punktest du im Assessment-Center beim Rollenspiel

So punktest du im Assessment-Center beim Rollenspiel

RollenspielIn einem Assessment-Center geht es für Unternehmen darum, aus einer Vielzahl von Bewerbern den besten Kandidaten herauszufiltern. Das geht natürlich am besten, wenn man ihn in einer realistischen Arbeitssituation beobachten kann. Wie verhält sich ein Bewerber, wenn er unter Zeitdruck steht? Kann er Wichtiges und Unwichtiges voneinander unterscheiden? Und wie gut kann er seinen Standpunkt gegenüber anderen deutlich machen? Das Rollenspiel im Assessment-Center ist für die Überprüfung solcher Fragen sehr gut geeignet.

Was ist ein Rollenspiel?

Der Bewerber wird in einem Rollenspiel mit Situationen konfrontiert, die ihm so oder in ähnlicher Form auch später in der Praxis begegnen können. Dadurch kann das einstellende Unternehmen wichtige Persönlichkeitsaspekte sicher bewerten und überprüfen.

Es gibt im Assessment-Center verschiedene Arten von Rollenspielen. Der Klassiker ist das Mitarbeitergespräch. Aber auch ein Gespräch unter Kollegen, ein Termin bei Kunden oder mit einem Lieferanten können als Rollenspiel-Situation genutzt werden. Die Struktur all dieser Aufgaben ist immer ähnlich:

  • Der Bewerber trifft auf einen Gesprächspartner, der in der Regel von einem Personaler des einstellenden Unternehmens gespielt wird.
  • Der Bewerber muss dann innerhalb einer vorgegebenen Zeit von meist ca. 15 Minuten in einem Gespräch einen Sachverhalt klären und ein bestimmtes Ziel erreichen.
  • Dabei wird das Gespräch von mehreren Beobachtern verfolgt, die das Verhalten des Bewerbers bewerten.

Vor dem Rollenspiel: Die Aufgabenstellung

Vor dem Rollenspiel haben beide Gesprächspartner neben der Aufgabenstellung noch weitere Informationen bekommen. Dabei weichen die Informationen voneinander ab, d.h. der Kandidat hat andere Informationen bekommen, als sein Gegenüber. So kann bei einem Mitarbeitergespräch eine wichtige Information über die Situation des Mitarbeiters fehlen, oder bei einem Kundentermin trifft der Bewerber auf einen Kunden, der ihn mit einem ganz anderen Anliegen überrascht, als aus der Aufgabenstellung hervorgeht.

Diese unterschiedlichen Informationsstände bilden oft die größte Herausforderung bei einer Rollenspiel-Übung. Genau diese Unterschiede machen die Aufgabe für das Unternehmen so interessant, denn daraus lässt sich erkennen, wie ein Bewerber mit neuen Situationen umgeht, und ob er auf die Anliegen seines Gesprächspartners gut eingehen kann. Ein guter Bewerber bleibt hier ruhig, und versucht durch gezieltes Fragen die Situation des Rollenspiel-Partners zu verstehen. So beweist er Souveränität, Anpassungsfähigkeit, Einfühlungsvermögen und Kommunikationsstärke.

So geht’s: Lesen, Fragen, Zusammenfassen & Vorschlag machen

Stell dich schon in der Vorbereitung für das Rollenspiel darauf ein, dass dein Gesprächspartner möglicherweise von einer ganz anderen Situation ausgeht als du. Versuche nicht gleich, dein eigenes Ziel um jeden Preis schnell erreichen zu wollen, sondern frage deinen Gegenüber direkt, was er sich von dem Gespräch erhofft oder wie er zu dem zu besprechenden Thema steht. So erfährst du bereits gleich am Anfang, ob ihr unterschiedliche Auffassungen habt, und was die Probleme sind. Frage gezielt weiter, und gib die Situation deines Gesprächspartners kurz in deinen eigenen Worten wieder. Dadurch kannst du dir sicher sein, dass dein Rollenspiel-Partner sich verstanden fühlt.

Erst wenn du den Eindruck hast, die ganze Situation zu kennen, und dein Gesprächspartner die Möglichkeit hatte seine Sicht der Dinge zu schildern, kannst du deine Punkte anbringen. Es wird positiv bewertet, wenn du aktiv einen Kompromissvorschlag machst.Assessment-Center Rollenspiel Ablaufdiagramm

Das Lösungsmuster an verschiedenen Beispielen angewendet

Aufgabe: In einem Mitarbeitergespräch spielst du den Vorgesetzten, der ein Gespräch mit einem schwierigen Mitarbeiter führen soll. Dabei geht es häufig um die schlechte Leistung des Mitarbeiters oder viele Fehlzeiten.
So gehst du vor: Statt den Mitarbeiter unter Druck zu setzen, versuche lieber über gezieltes Fragen  herauszufinden, was die Ursache ist. Denn oft gibt es einen nachvollziehbaren Grund. Das können z.B. familiäre Probleme sein, oder eine Krankheit. Und natürlich musst du als Vorgesetzter diese Aspekte bei deinem Lösungsvorschlag berücksichtigen.

Aufgabe: In einem Kollegengespräch musst du einen Kollegen überzeugen, dich bei einer Idee oder einem Projekt zu unterstützen.
So gehst du vor: Auch hier gilt es zu versuchen, die Situation des Kollegen zunächst zu verstehen. Vielleicht kannst du ihn bei einem seiner Projekte unterstützen, bevor du ihn um seine Hilfe bei deiner Idee bittest. Oder möglicherweise ist der Kollege zeitlich sehr eingeschränkt, und möchte deshalb keine zusätzlichen Aufgaben annehmen. In einer solchen Situation kannst du Kreativität beweisen und z.B. einen Weg finden, wie du vom Wissen des Kollegen profitieren kannst, ohne dass es für ihn viel Zeit kostet. Statt bei jedem Treffen des Projektteams dabei zu sein, reicht vielleicht auch ein einmaliges, ausführliches Telefonat.

Aufgabe: Bei der Verhandlung geht es darum, eine Einigung mit einem Kunden zu erzielen, und ihm beispielsweise ein Produkt zu verkaufen.
So gehst du vor: Wenn du auch hier das Schema anwendest, zunächst die Sichtweise deines Verhandlungspartners zu verstehen, lernst du die Aspekte kennen, die für ein erfolgreiches Angebot wichtig sind. Möglicherweise hat der Kunde in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit deinem Produkt gemacht, und zögert deshalb, erneut einen Auftrag an dich zu vergeben. Durch Nachfragen erfährst du von solchen Bedenken und kannst dein Angebot anpassen, z.B. indem du eine Garantie anbietest. Auf diese Weise kannst du das Gespräch erfolgreich abschließen.

Tobias Meier

Tobias Meier

Über den Autor

Tobias Meier arbeitet in einem Hamburger Konzern und rekrutiert selbst Mitarbeiter in sein Team. Erst vor wenigen Jahren war er selbst noch in der Situation sich zu bewerben und kennt daher beide Seiten des Bewerbungsprozesses sehr gut. Er betreibt die Internetplattform Assessment Center Academy, auf der sich Bewerber auf Assessment-Center und Vorstellungsgespräche vorbereiten können. Neben vielen kostenlosen Tipps und Lösungshinweisen bietet er dort auch einen kostenpflichtigen Video-Kurs an.

Bildnachweis: „agressiver Mitarbeiter“ ©imageegami – Fotolia

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