Wie viel Netto bleibt vom Brutto übrig?

Sozialabgaben und Steuern in der Ausbildung

Wer Geld verdient, muss davon Abgaben an den Staat zahlen, und zwar jeder – vom Kleinverdiener bis zum Vorstand eines großen Aktienunternehmens: also auch du als Azubi, sofern du eine bestimmte Einkommensgrenze überschreitest!

Brutto nicht gleich Netto
Deine Brutto-Vergütung ist dein unbereinigtes Gehalt. Dieser Betrag steht auch im Ausbildungsvertrag. Was letztendlich auf deinem Konto ankommt, ist das Netto-Gehalt, das nach Abzug der Abgaben übrig bleibt

Was sind Abgaben?

Was von deiner Brutto-Vergütung abgezogen wird, sind 2 verschiedene Arten von Abgaben: Steuern und Sozialabgaben.

Steuern

Deine Steuern setzen sich aus 3 Teilen zusammen:

  • Lohnsteuer: Wenn Lohnsteuer anfällt, dann führt dein Ausbildungsbetrieb sie für dich an das Finanzamt ab. Die Höhe der Lohnsteuer richtet sich nach deiner Steuerklasse. Bist du ledig und hast kein Kind ist das beispielsweise Steuerklasse I.
  • Kirchensteuer: Wenn du einer Konfession angehörst (z.B. katholisch oder evangelisch) musst du Kirchensteuer zahlen, die dein Ausbildungsbetrieb an das Finanzamt abführt.  Je nach Bundesland sind das 8-9% deiner zu zahlenden Lohnsteuer. Bis du konfessionslos zahlst du keine Kirchensteuer.
  • Solidaritätszuschlag: Diesen Zuschlag musst du nur dann zahlen, wenn du pro Jahr über 972 Euro Lohnsteuer zahlen musst. Der Zuschlag beträgt 5,5% von der zu zahlenden Lohnsteuer (also nicht von der Ausbildungsvergütung).

Sozialabgaben

Sozialabgaben sind Beiträge für die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, die deine Krankenkasse, die Deutsche Rentenversicherung und die Bundesagentur für Arbeit erhalten. Die Kosten teilst du dir mit deinem Ausbildungsbetrieb. Dein Anteil sind rund 20% deiner Brutto-Ausbildungsvergütung.

  • Rentenversicherung: Die Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung ist für dich Pflicht und soll dir im Alter ein ausreichendes Einkommen sichern. Du solltest aber trotzdem über eine zusätzliche Absicherung für das Alter nachdenken (Altersvorsorge).
  • Krankenversicherung: Als Auszubildender musst du in einer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert sein, die die Kosten im Krankheitsfall übernimmt. Wenn du bisher mit deinen Eltern familienversichert warst, musst du dich mit Ausbildungsbeginn selbst versichern. Dafür hast du ab Beginn deiner Ausbildung 14 Tage Zeit.
  • Pflegeversicherung: Damit wird eine mögliche Pflegebedürftigkeit im Alter finanziell abgesichert.
  • Arbeitslosenversicherung: Damit wird das finanzielle Risiko einer drohenden Arbeitslosigkeit gemildert. Leistungen daraus sind u.a. Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld. Anspruch auf Arbeitslosengeld hast du erst, wenn du mindestens 12 Monate lang Beiträge eingezahlt hast.

Wann muss ich Abgaben zahlen?

Steuern musst du als Azubi nur dann zahlen, wenn du im Monat mehr als 905 Euro verdienst (das gilt für das Jahr 2012). Da dieser Betrag an der oberen Grenze der gezahlten Ausbildungsvergütungen liegt, müssen die meisten Azubis – zumindest im ersten Ausbildungsjahr – keine Steuern in ihrer Ausbildung zahlen.

Sozialabgaben fallen dann für dich an, wenn du mehr als 325 Euro Brutto-Ausbildungsvergütung im Monat bekommst.

Tipp: Mit dem Gehaltsrechner für Azubis kannst du dir deine eventuelle Steuerbelastung und die Höhe deiner Sozialabgaben ausrechnen lassen kannst.

Michaela Michaela

(45 Beiträge)

Hallo! Ich bin Michaela und arbeite in der AZUBIYO-Redaktion. Damit ihr euch in Ausbildung und Beruf keinen Kopf um Arbeitszeiten, Überstunden und Finanzen machen müsst, bringe ich ein wenig Licht in den Rechte- und Pflichten-Dschungel. Aber auch bei anderen Fragen oder Problemen in Schule und Betrieb stehe ich euch mit Rat und Tat zur Seite. Fragen, Anregungen, Wünsche? Dann diskutiert doch einfach mit! Ich freu' mich auf euer Feedback!


Kommentare

  1. ich würde gern wissen wenn ich 714,89 euro im ersten ausbildungsjahr veridenen werde … wie viel netto werde ich bekommen ?

    2 ausbildungsjahr:773,09euro
    3 „ „ : 869,12euro

    9. Februar 2016 um 21:09
    1. Michaela
      Michaela

      Hallo Anastasia,
      das lässt sich pauschal nicht sagen, sondern hängt unter anderem davon ab, in welchem Bundesland du deine Ausbildung machst und ob du Kirchensteuer zahlst. Mit dem Azubi-Gehaltsrechner kannst du deine Netto-Vergütung ganz schnell und unkompliziert ausrechnen: https://www.ihre-vorsorge.de/rechner-co/gehaltsrechner/gehaltsrechner-fuer-azubis.html
      Liebe Grüße,
      Michaela von AZUBIYO

      17. Februar 2016 um 14:15
  2. oliver wenner

    Hallo meine Freundin ist Azubi in einem Friseur im 3 Lehrjahr. Die Hndwerkkammer meinte zur de4 Cheffin das sie statt 310 auf 370 gehalt rauf gehen würde. Wo meine freundin sich dachte ok mehr geld. Nun wurden statt 370 nur 295 überwiesen, als sie die cheffin an sorach darauf meinte sie sie müsste als Azubi steuern zahlen. Was mich aber wundert weil wieso solltw ich dann das ändern auf 370 wenn ich sie am ende weniger hat als vorher 310? Man liest auch oft von ab 325 oder 950 was ist nun richtig. Bundesland wäre BRB
    Mfg

    9. September 2016 um 17:27
    1. Simone
      Simone

      Hallo Oliver,
      das Ausbildungsgehalt kann sich von Betrieb zu Betrieb unterscheiden. Hier siehst du den Durchschnitt 2014 beim Ausbildungsberuf Friseur: https://www.azubiyo.de/berufe/friseur/gehalt/
      Du kannst auch den Brutto-Netto-Rechner benutzen, um zu sehen, ob das bei euch hin kommt: https://www.ihre-vorsorge.de/rechner-co/gehaltsrechner/gehaltsrechner-fuer-azubis.html Wenn nicht, würde ich deiner Freundin raten, die Chefin selbst anzusprechen und eure Fragen zu klären.
      Viele Grüße
      Simone von AZUBIYO

      19. September 2016 um 17:16
  3. Angelika

    Hallo,
    Ich bin Azubis im ersten Lehrjahr (bin 16 Jahre alt) und würde gerne wissen ob es von meiner Krankenkasse abhängig ist, ob mir mehr abgezogen wird als meinem Mitarbeiter, der so wie ich 16 ist.

    30. September 2016 um 17:22
    1. Simone
      Simone

      Hallo Angelika,
      ja, der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenkassen kann sich unterscheiden. Wenn ihr beide bei unterschiedlichen Krankenkassen seid, kann es schon sein, dass du einen höheren Beitragssatz zahlst als dein Kollege.
      Viele Grüße
      Simone von AZUBIYO

      6. Oktober 2016 um 13:56

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