AZUBIYO Blog: Online-Magazin für Bewerbung & BerufswahlAusbildung„Berufsorientierung sollte positiv besetzt sein“

„Berufsorientierung sollte positiv besetzt sein“

Prof. Dr. Claas Triebel, Psychologe und Autor

Prof. Dr. Claas Triebel, Psychologe und Autor

Claas Triebel ist promovierter Psychologe und Autor.
Als Experte für Laufbahnberatung arbeitet er an der Universität der Bundeswehr München und ist Gesellschafter des wissenschaftlichen Beratungsunternehmens PerformPartner. Er entwickelt im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales Verfahren zur beruflichen Integration von Migranten und hat zahlreiche Methoden für die Beratung von Menschen in beruflichen Umbruchsituationen entwickelt.

AZUBIYO: Beschreiben Sie bitte in 3 Sätzen Ihre Arbeit mit Jugendlichen.
Wir haben eine Methode zur kompetenzorientierten Berufswahlvorbereitung entwickelt – Die Kompetenzwerkstatt. Jugendliche sind selten in der Lage zu formulieren, durch welche Eigenschaften sie sich positiv von anderen abheben. Die Methode zielt darauf ab, die Jugendlichen in dieser Hinsicht sprachfähig zu machen und ihnen so überhaupt eine Orientierung zu ermöglichen.

AZUBIYO: Worauf sollte man bei der Berufsorientierung achten? Welche Fehler werden gemacht?
Man sollte sich an den eigenen Kompetenzen und Werten orientieren. Sie sind die einzige Sicherheit, die wir in einer flexibilisierten Arbeitswelt haben. Es ist nicht sinnvoll, kurzfristigen Trends hinterherzulaufen. In der Vergangenheit wurde in dieser Hinsicht im Feld der beruflichen Beratung viel Schaden angerichtet.

AZUBIYO: Was macht die Berufsorientierung leichter und wie wichtig ist die Wahl des 1. Arbeitgebers?
Berufsorientierung sollte positiv besetzt sein. Junge Menschen sollten Lust auf die eigene Zukunft haben und sich als Gestalter und als Hauptdarsteller in der eigenen Geschichte sehen. Der erste Arbeitgeber kann dabei wichtig sein. Im positiven wie im negativen Sinne – wie auch gute oder schlechte Grundschullehrerinnen und -lehrer die Haltung von Kindern gegenüber der Schule prägen – kann dies auch beim Arbeitgeber der Fall sein.

AZUBIYO: Wie sollte man als Jugendlicher mit gut gemeinten Ratschlägen von Eltern und Freunden umgehen?
Immer darauf überprüfen, wie man selbst dazu steht. Gesprächspartner sind unglaublich wichtig. Entscheidungen muss man aber unbedingt selbst treffen.

AZUBIYO: Viele denken, dass Hauptschüler die größten Schwierigkeiten haben, sich für den richtigen Beruf zu entscheiden. Fällt es Abiturienten und Realschülern tatsächlich leichter?
Der Bedarf ist auch bei Abiturienten und Realschülern riesig. Selbst bei Hochschulabsolventen ist es so, dass die wenigsten im Anschluss das Gefühl haben sagen zu können „So, das kann ich jetzt und jetzt weiß ich auch genau, was ich damit machen werde.“

AZUBIYO: Was würden Sie einem Jugendlichen raten, der im Vorstellungsgespräch nach seinen „Stärken und Schwächen“ gefragt wird?
Die Frage nach den Schwächen ist an sich unsinnig, wird aber trotzdem immer gestellt. Mein Rat: Ehrlich antworten. Personaler sind froh, wenn sie einmal eine wirklich authentische Antwort hören, die auch begründet werden kann und nicht immer dieselben Floskeln. In Bezug auf die Schwächen – jeder hat welche: Für die Antwort ist es wichtig, auch Gedanken dazu zu haben, wie man mit diesen Schwächen umgehen kann. Die Antwort „Ich bin manchmal zu ehrgeizig“, die gerne gegeben wird, ist übrigens ein alter Hut, mit dem man kaum einen Personaler wird überzeugen können – außer wenn man hierzu auch wirklich Beispiele nennen kann.

AZUBIYO: Hier ist Platz für eine Erfolgsgeschichte oder Anekdote, die Sie im Laufe Ihrer Arbeit mit Jugendlichen erlebt haben.
Wenn wir mit Jugendlichen erarbeiten, was ihre Stärken sind, antworten diese regelmäßig: „Das ist das erste Mal, dass mir jemand diese Frage stellt“. Es ist auf der einen Seite sehr erfreulich an so einem Prozess beteiligt zu sein, auf der anderen Seite auch erschreckend, dass es im Ausbildungssystem nicht mehr Platz dafür gibt, Stärken zu stärken.

AZUBIYO: Vielen Dank für das Interview!

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AZUBIYO ist ein im Januar 2010 in München gegründetes Unternehmen. Bei www.azubiyo.de werden Ausbildungssuchende und Arbeitgeber passgenau zusammengeführt: Bewerber legen ein Profil an, führen einen Stärkentest durch und geben konkrete Wünsche zu Arbeitszeit, Arbeitsort und Reisebereitschaft an. Auf der anderen Seite definiert der Arbeitgeber seine Anforderungen und Arbeitsbedingungen.

Das AZUBIYO-Matching-Verfahren führt dann die passenden Bewerber mit den richtigen Stellen zusammen. Fast wie bei einer Online-Partnervermittlung.

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