AZUBIYO Blog: Online-Magazin für Bewerbung & BerufswahlAusbildungBerufsorientierung in der Praxis: Warum nicht als Bufdi?

Berufsorientierung in der Praxis: Warum nicht als Bufdi?

Bufdi bei der Arbeit

Bufdi bei der Arbeit

Erstmalig nach über 50 Jahren pausiert in Deutschland die Wehrpflicht auf unbefristete Zeit. Die Bundesregierung argumentierte diese Entscheidung mit einer Neuausrichtung der Bundeswehr. Das Aufgabengebiet der Armee hat sich in den letzten Jahren mit vermehrten Auslandseinsätzen verändert. Diese andere Situation erfordert eher professionelle Streitkräfte als nur eine quantitative große Einheit. Deswegen soll die Bundeswehrstärke von 250.000 auf 185.000 freiwillige Soldaten begrenzt werden. Durch die Aussetzung der Wehrpflicht erlöscht gleichzeitig mit dem Zivildienst auch das soziale Pendant, den die Einberufenen alternativ zum Dienst an der Waffe ableisten konnten. 2010 entschieden sich von den 135.800 Wehrpflichtigen mehrheitliche 78.300 für den Zivildienst. Das sind beachtliche 58%. Anders als bei der Berufsarmee, wo ein Rückgang gewollt ist, sollen und müssen die Zivildienststellen adäquat ersetzt werden. Ein schwieriges Unterfangen, da es immerhin 35.000 Stellen zu besetzen gilt.

Die Lösung soll der Bundesfreiwilligendienst, kurz Bufdi, bringen.

Bufdi als Berufsorientierung

Schulabgänger können den Bundesfreiwilligendienst in Anspruch nehmen, bevor sie eine überhastete Ausbildung beginnen und diese Zeit nutzen, um sich über ihre Berufswahl im Klaren zu werden. Der Dienst kann ebenso für die nicht verplante Zeit bis zum Studium hilfreich sein, um Neues ausprobieren und lernen zu können. Möglicherweise findet man sogar Gefallen an den sozialen Aufgaben und entscheidet sich daraufhin für eine Ausbildung in den Bereichen Medizin, Pflege oder Gesundheit.

Diejenigen, die vorhaben eine Ausbildung im sozialen Bereich als beispielweise Altenpfleger, Logopäden oder Hauswirtschafter zu beginnen, können im Bundesfreiwilligendienst unbefangen Referenzen und Arbeitserfahrungen sammeln. Außerdem kann erprobt werden, ob die Arbeitsbereiche einem tatsächlich liegen.

Vorrausetzungen für den Bufdi

Seit dem 1. Juli 2011 kann jeder den Bundesfreiwilligendienst antreten, der die Schulpflichtzeit, also mindestens 9 Schulbesuchsjahre, erfüllt hat. Dies ist auch die einzig gestellte Bedingung, da Alter, Geschlecht, Nationalität und Art des Schulabschlusses keine Relevanz mehr haben. Die Zugangsvoraussetzungen sind gegenüber dem Zivildienst merklich gelockert. Dazu wurden die möglichen Arbeitsbereiche erweitert. Neben den aus dem Zivildienst bekannten sozialen Tätigkeitsgebieten wie Behindertenhilfe, Altenpflege oder Jugendarbeit, kommen die Bereiche Bildung, Sport, Integration, Umwelt-/ Naturschutz und Kultur-/ Denkmalpflege ergänzend hinzu.

Verpflichtungszeit

Die reguläre Verpflichtungszeit beträgt 12 Monate, aber eine Verkürzung auf mindestens 6 oder eine Verlängerung auf maximal 24 Monate ist möglich. Aus besonderen Gründen – etwa bei Erhalt eines Ausbildungs- oder Studienplatzes – kann der Bundesfreiwilligendienst früher beendet werden, damit die persönlichen Zukunftspläne nicht gefährdet werden. Personen über 27 Jahre haben die Möglichkeit den Bundesfreiwilligendienst in Teilzeit (20 Stunden pro Woche) zu absolvieren.

Leistungen und Anerkennung

Der Verdienst als Bufdi variiert je nach Einsatzstelle – höchstens sind aber 330 Euro möglich. Zusätzlich können Zahlungen für Unterkunft, Berufsbekleidung und Verpflegung bei der Einsatzstelle beantragt werden. Während des Engagements im Bundesfreiwilligendienst finden kostenfreie Einstiegs- und Hilfsseminare statt. Nach der Verpflichtungszeit erhält jeder Bufdi ein qualifiziertes Zeugnis. Darüber hinaus zahlt die Einsatzstelle die kompletten Sozialversicherungsbeiträge und die unter 25-Jährigen haben zusätzlich Anspruch auf Kindergeld.

Einsatzstellen

Krankenhäuser, Altenheime, Schulen, Selbsthilfegruppen und Sportvereine gehören beispielsweise zu den Einsatzstellen für den Bundesfreiwilligendienst. Diese fungieren im Bufdi-Zeitraum nicht nur als Arbeitsgeber, sondern auch als Ansprechpartner für fachliche und persönliche Fragen. Die Einrichtungen können auf verschiedene Weisen gesucht und gefunden werden. Über die Platzbörse auf www.bundesfreiwilligendienst.de findet man deutschlandweit Einsatzfelder gelistet. Aber auch der zuständige Regionalbetreuer oder eine Zentralstelle helfen zu vermitteln. Natürlich kann man auch Eigeninitiative ergreifen und bei den Institutionen direkt vor Ort nachfragen.

Nachdem die passende Einsatzstelle gefunden ist, schließt i.d.R. ein Kennenlerngespräch an. Sind beide Seiten, sowohl Arbeitsgeber als auch Arbeitsnehmer, zufrieden, folgt die Vertragsunterzeichnung und der Bundesfreiwilligendienst kann für den vereinbarten Zeitraum angetreten werden.

Bufdi, der „neue“ Zivildienst

Die Basisversorgung ist im sozialen Dienst trotz Wegfalls der Zivildienstkräfte durch das Festpersonal gewährleistet. Pflegeassistenten, Sozialassistenten oder Altenpfleger erledigen nach wie vor die unterstützenden Tätigkeiten. Einsparungen erfolgen jedoch in den Sonderleistungen. Individuelle Dienste wie das Einkaufen oder die Begleitung beim Spaziergang werden ohne Bufdis aus Preis- und Personalgründen nicht mehr realisierbar sein. Der Bundesfreiwilligendienst ist also mit einem hohen sozialen Nutzen verbunden. Zusätzlich vermag er auch die eigene persönliche Entwicklung durch neue Eindrücke und Erfahrungen voranzutreiben.

In Deutschland sorgte die Absetzung des Wehrdienstes für rege Diskussionen. Die Sozialdienste befürchteten mit dem einhergehenden Wegfall des Zivildienstes tausende von unbesetzten Stellen. 100 Tage nach dem Start des Bundesfreiwilligendienstes fällt die Bilanz nicht so düster aus wie bisher angenommen. Über 16.000 Freiwillige haben seit dem 1. Juli 2011 einen Vertrag bei einer Dienststelle unterzeichnet. Da noch bis zum Jahresende die letzten Zivildienstleistenden aktiv sind und weiterhin alternativ die Möglichkeit besteht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren, sorgen 16.000 Engagierte für eine positive Bilanz. Fraglich ist allerdings, ob die von der Bundesregierung erwünschten 35.000 Freiwilligen für das Jahr 2012 gewonnen werden können. Das Potential ist bei der jetzigen Entwicklung durchaus vorhanden.

Redaktion Redaktion

(109 Beiträge)

Hier schreibt das Redaktionsteam von AZUBIYO für dich.


Kommentare

  1. Siegfried Schirdewan

    Wie ist die tägliche Arbeitszeit, und wieviel Tage in der Woche
    muß ich im Einsatz sein z.B. in Altenheimen ?

    30. Dezember 2011 um 16:39
    1. AZUBIYO

      Der Bundesfreiwilligendienst ist prinzipiell ein ganztägiger Dienst (für Personen unter 27 Jahren). In der Regel musst du in einer 5-Tage-Woche zwischen 37,5 und 40 Stunden arbeiten, also ca. 8 Stunden am Tag. Das variiert aber je nach Arbeitgeber. Deshalb solltest du dich bei deiner Wunschstelle vorab informieren. Wenn du noch unter 18 Jahre bist, gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz (z.B. spezielle Pausenregelungen, keine Nachtschichten, mehr Urlaubstage).

      3. Januar 2012 um 10:07
  2. Martina Marne

    Ich habe eine Freundin, die als Bufdi gearbeitet hat. Sie war in einem der Pflegeheime Nürnberg, um auch mal eine neue Stadt kennen zu lernen. Hier hat es riesig gut gefallen und sie meinte, dass sie dadurch das Leben viel mehr wertschätzen kann. Sie würde es auf jeden fall weiter empfehlen. Grüße, Martina

    17. Februar 2012 um 10:25
    1. AZUBIYO

      Hallo Martina,
      danke für deinen Kommentar! Freut uns, dass es deiner Freundin gefallen hat. Die Bufdi-Stellen sind sehr gefragt und gibt vor allem auch Frauen die Möglichkeit, sich nach der Schule sozial zu engagieren. LG Bianca von AZUBIYO

      21. Februar 2012 um 09:38
  3. Michael

    Hallo :)
    Meine Tochter hat in Düsseldorf ihren Bufdi in einem Pflegeheim in Düsseldorf gemacht. Sie war so begeistert von dem Beruf, dass sie sogar jetzt ihre Ausbildung in dem Pflegeheim macht. Der Bundersfreiwilligendienst ist eine sehr gute Möglichkeit für junge Leute in eine Beruf mal länger als ein Praktikum reinzuschnuppern.

    30. Januar 2016 um 15:59

Hinterlasse eine Antwort.

Deine EMail Adresse wird nicht veröffentlicht.

AZUBIYO im Netz

Visit Us On TwitterVisit Us On FacebookVisit Us On GooglePlusVisit Us On Youtube

Über uns

AZUBIYO ist ein im Januar 2010 in München gegründetes Unternehmen. Bei www.azubiyo.de werden Ausbildungssuchende und Arbeitgeber passgenau zusammengeführt: Bewerber legen ein Profil an, führen einen Stärkentest durch und geben konkrete Wünsche zu Arbeitszeit, Arbeitsort und Reisebereitschaft an. Auf der anderen Seite definiert der Arbeitgeber seine Anforderungen und Arbeitsbedingungen.

Das AZUBIYO-Matching-Verfahren führt dann die passenden Bewerber mit den richtigen Stellen zusammen. Fast wie bei einer Online-Partnervermittlung.

Für Schüler ist AZUBIYO immer kostenfrei.

banner