Alte Berufe und ihre Herkunft

Berufe kommen und gehen. Auch wenn jedes Jahr neue Berufsbilder entstehen, so verschwinden doch auch immer einige alte Berufe von der Bildfläche und geraten in Vergessenheit – sei es, weil die Tätigkeit nicht mehr gebraucht oder von moderner Technik ersetzt wird. Wieder andere Berufe bekommen einfach einen neuen Namen verpasst und einige leben heute nur noch als Familiennamen weiter. Wir stellen euch 6 solcher alten Berufe vor, deren Ursprung besonders weit zurückliegt, und erklären, was sie bedeuten.

Klempner: Der, der das Blech hämmert

Klempner bei der ArbeitDer Handwerksberuf des Klempners hat eine lange Tradition. Hinter diesem alten Beruf verbirgt sich aber nicht, was sich wahrscheinlich die meisten unter einem Klempner vorstellen: Ein Klempner ist nämlich nicht für Wasserhähne und Sanitäranlagen zuständig, sondern verkleidet Flächen, wie Fassaden oder Schornsteine, mit Metallblechen.

Die Wortgeschichte des Klempners ist sehr spannend. Früher hieß der Handwerker nicht Klempner, sondern Klemperer, Klamperer oder in Süddeutschland Klampferer.

Abgeleitet ist der Begriff Klempner vom Verb klempern, was in etwa „hämmern, Blech hämmern“ bedeutete. Wörtlich ist unser Klempner also der „Blech-Hämmerer“.

Klamperer und Klampferer, die ja heute nicht mehr gebräuchlich sind, gehen auf klampen oder klamben mit der Bedeutung „verklammern, fest verbinden“ zurück. Das kommt daher, dass in diesem Beruf Metallteile zusammengefügt wurden. Davon abgeleitet ist auch unsere Klammer. Und vielleicht kennst du auch den Begriff Klampfe für eine Gitarre?

Und wer noch mehr über den Klempner erfahren will, der kann hier weiterlesen: Plötzlich ist der Klempner kein Klempner mehr.

Meier, Maier oder Mayr?! – Viele Namen, ein Beruf

Meier als Nachnamen gibt es in vielen verschiedenen Schreibvarianten: Meier, Meyer, Maier, Mayer, Mayr usw. Alle Meiers gehen aber auf denselben alten Beruf zurück: Ein Meier war früher ein Verwalter bzw. Pächter eines Landgutes oder Bauernhofes. Anders als viele alte Berufe war Meier also kein Handwerksberuf.

Und auch der Begriff Meier stammt ursprünglich aus der lateinischen Sprache und wurde ins Deutsche übernommen. Die Grundlage bildete das lateinische maior, eigentlich maior domus, was „Vorsteher der Dienerschaft eines Hauses“ (wörtlich: „der Größere des Hauses“) bedeutete. Und aus maior wurde im Deutschen allmählich meior, dann meiur und schließlich meiger und meier.

An die Stelle des Meiers treten heute verschiedene Berufe und Berufsgruppen, unter anderem der Landwirt, aber auch Berufe aus den Bereichen Verwaltung und öffentlicher Dienst.

Platz 1 der häufigsten Familiennamen: Müller

Als Müller wurde in früheren Zeiten nicht nur jemand bezeichnet, der eine Mühle besaß, sondern auch ein Handwerker, der beispielsweise Mehl oder Öle herstellte.

Wahrscheinlich handelt es sich bei Müller um ein Lehnwort aus dem Lateinischen. Das heißt, man übernahm die lateinische Bezeichnung für den Müller, nämlich molinarius einfach in die deutsche Sprache. Im lateinischen molinarius steckt das lateinische Wort für Mühle, nämlich molina. Demnach ist der molinarius wörtlich „der, der zur Mühle gehört“, also wohl „der, der eine Mühle besitzt“ oder „der, der mahlt“. Aus molinarius wurde das deutsche Wort mulinari, entwickelte sich dann weiter zu mülnaere und mülner und schließlich dem heutigen Müller.

Auch heute noch gibt es das Handwerk des Müllers. Der entsprechende Ausbildungsberuf heißt Müller – Verfahrenstechnologe in der Mühlen- u. Futtermittelwirtschaft.

Beamter der ersten Stunde: Schulze

Der Schulze ist ein weiteres Beispiel für alte Berufe, die mit der Zeit zu Familiennamen wurden. Schulze ist eine verkürzte Form von Schultheiß. Und das war im Mittelalter ein Beamter und hatte eine ähnliche Funktion wie ein Bürgermeister. Er sorgte für Recht und Ordnung in Dorf oder Stadt und musste zum Beispiel Abgaben eintreiben.

Die älteste deutsche Form von Schultheiß ist sculdheizo, später wurde daraus schultheize und in vereinfachter Form eben dann Schulz, Schulze, Schultes oder Schulte. Wörtlich setzt sich der Schultheiß zusammen aus „Schuld“ und „heißen“, wobei heißen hier eher im Sinne von „etwas anordnen“ oder „etwas befehlen“ gemeint ist. Dementsprechend ist der Schultheiß also „der, der die Schuld (Leistung) anordnet, der die Pflichten festsetzt“.

Das Amt des Schultheiß gibt es heute nicht mehr. Seine Aufgaben übernehmen vor allem Beamte und Angestellte aus den Bereichen Verwaltung und öffentlicher Dient, wie etwa Beamte der Allgemeinen Inneren Verwaltung oder der Steuerverwaltung, Justizfachangestellte, Steuerfachangestellte oder Verwaltungsfachangestellte, aber auch Richter oder Anwälte.

Beim Tischler ist der Name Programm

Tischler bei der ArbeitDer Beruf des Tischlers ist eines der ältesten Handwerke und ungefähr seit dem 12. Jahrhundert eigenständiges Gewerbe.

Vor dem 15. Jahrhundert wurde der Tischler noch Tischer genannt, aber auch die Bezeichnungen Kistler und Kistner waren üblich.

Diese Wortformen setzen sich alle aus einem Hauptelement – Tisch oder Kist – und einer Endung (-er, -ler oder -ner) zusammen. Ein Tischler ist daher ganz wörtlich „jemand, der einen Tisch herstellt“, ein Kistler „jemand, der eine Kiste herstellt“. Allerdings war Tisch früher einfach nur ein anderes Wort für Kiste.

Genauso ist der Schreiner – wie der Tischler in Süddeutschland heißt – wörtlich „jemand, der einen Schrein herstellt“. Schrein ist eine alte Bezeichnung für eine Truhe oder einen Schrank.

Vom zimbarari zum Zimmermann

Zimmerer bzw. Zimmerleute sind Handwerker, die in der Holzverarbeitung tätig sind und zum Beispiel Dachstühle oder Holztreppen fertigen.

Zimmerer gibt es schon sehr lange. Früher war nämlich fast jeder ein Zimmermann, da man sich sein Haus meist selbst bauen musste. Im Laufe der Zeit und vor allem seit dem Mittelalter spezialisierten sich die Handwerker immer mehr auf bestimmte Techniken und Arbeiten, so dass der Zimmermann allmählich zum eigenständigen Beruf wurde.

Eine alte Bezeichnung für den Zimmerer ist wahrscheinlich zimbarari. Und der Zimmermann hieß früher erst zimbarman und später zimberman, bevor unser heutiges Wort daraus wurde.

Alle diese Begriffe, ob alt oder jung, enthalten das Substantiv Zimmer in unterschiedlichen Formen. Und dieses Wort hat sehr alte Wurzeln und kann bis in die gotische Sprache zurückverfolgt werden. Das ist die älteste germanische Sprache, für die es schriftliche Nachweise gibt. Der Vorfahre für unser Zimmer im Gotischen ist temra, was „Bauholz, Gezimmertes“ bedeutet. Dieses entwickelte sich von timbar, über zimbar und zimber, bis hin zu zimer und schließlich Zimmer.

Wörtlich ist der Zimmerer oder Zimmermann also „der, der ein Zimmer baut“ oder „der, der etwas (aus Holz) baut“.

Michaela Michaela

(45 Beiträge)

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